Mein WG-Leben: Ein „Holland Haus“ voll von Männerdramen

Dass das Leben in einer WG eine Herausforderung ist, habe ich mir schon gedacht, aber wie es wirklich ist wenn drei von Grund auf verschiedene Menschen zusammen in einem Haus leben konnte ich mir vorher nicht ausmalen.

Aufgrund eines Praktikums innerhalb meines Studiums, zog ich von Deutschland nach Leeuwarden(Holland). Da das Budget nicht für eine eigene Wohnung reicht und eine WG auch viel lustiger ist, begab ich mich auf die Suche und fand nach einiger Zeit ein nettes kleines „Holland Haus“ was ich fort an mit zwei männlichen Mitbewohnern( auch aus Deutschland) teilen durfte.

Ach das wird entspannt dachte ich. Männer sind nicht so zickig! Falsch gedacht.

Zum besseren Verständnis werde ich meine Mitbewohner kurz umschreiben und ihnen aus Gründen der Anonymität Spitznamen geben . Mitbewohner 1(nennen wir ihn mal Beethoven): Strukturiert, hat einen kleinen Sauberkeitsfimmel, spielt Klavier und hat manchmal einfach mal spontane Ideen die auch sofort umgesetzt werden müssen ( z.B. Nachts um 12 die Wände im Wohnzimmer streichen). Mitbewohner 2 (nennen wir ihn mal Eric Clapton): eher unsortiert, braucht Aufforderungen, spielt Gitarre( und das sehr laut), lebt in den Tag hinein.

Durch die offenkundigen Unterschiede sind kleine Konflikte vorprogrammiert. Das Thema Sauberkeit und Aufmerksamkeit steht dabei natürlich an erster Stelle. Beethoven fordert das Clapton sauber macht, sagt ihm das aber nicht, sondern er möchte das er das selbst bemerkt. Ein Beispiel: Unsere Waschmaschine lief nicht mehr, da der Wasseranschluss defekt war. Beethoven weigerte sich die Waschmaschine zu reparieren solange Clapton nicht bemerkt, dass es ein Problem gibt. Eine unschlagbare Logik! Das Thema endete vorerst damit, dass Beethoven schmollend und ein wenig mürrisch melodramatische Klänge seinem Klavier entlockte und Clapton, der von dem Groll ihm gegenüber nichts wusste, unbeschwert in seinem Zimmer Gitarre spielte. Da ich kein Instrument spiele und somit zu diesen musikalischen Ergüssen nichts beitragen konnte, entfloh ich dem WG Leben und ging einkaufen in der Hoffnung dass sich Beethoven und Clapton wieder vertragen.

Dem war dann auch so. Als ich wieder nach Hause kam, saßen beide als wäre nichts geschehen an unserem Esstisch, spielten Schach und tranken dabei Bier. So schnell kann es gehen. Von einer Emotionsspitze zur nächsten.

So ist das WG Leben. Verschiedene Persönlichkeiten und Charaktere treffen auf einander, Wohnen und Leben zusammen. Das macht die Sache auch so interessant. Man lernt viel über sich, seine Macken, Kompromisse zu schließen und andere Menschen so zu akzeptieren wie sie sind. Deshalb finde ich ist das WG Leben eine Erfahrung die jeder mal gemacht haben sollte.

Und nicht zu vergessen sind die Abende an denen wir zusammen in unserem Garten sitzen, Marshmallows im Feuer braten und bis spät in die Nacht quatschen. Wie langweilig wäre es alleine in einer Wohnung zu wohnen, ohne die geselligen Abende und auch die kleinen Streitigkeiten.

Ach ja, unsere Waschmaschine haben wir (Beethoven und ich) am nächsten Tag repariert ohne das Clapton davon Kenntnis genommen hat 🙂

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